Beschwingten Schrittes

Durch die kleine Lücke zwischen Vorhängen und Wand strahlte mir heute Morgen der winterblaue Himmel entgegen, die Sonne tauchte die Hausfassade gegenüber in goldenes Licht. Aus dem Bett gesprungen, in der Dusche die Melodie in meinem Kopf enträtselt, „Here Comes The Sun“ von den Beatles aufgelegt, zur Albertina gelaufen, auf dem Weg dahin die anderen Leute mit fröhlichem Pfeifen genervt, das Handbuch der Angst weiter gelesen. Ein paar besonders funkelnde Stücke aus der heutigen Beute:

  • Dadurch, dass Angst eine anthropologisch gegebene und garantierte menschliche Eigenschaft ist, bietet sie Angstunternehmern (Firmen, Journalisten, Therapeuten, Klima- und Terrorexperten, etc.) eine nahezu frei und kostenlos verfügbare Ressource im Überfluss, die nur noch angezapft und ökonomisch genutzt werden muss. Dabei wird Angst im Marketing als  wirksamer angesehen, als Sex, weil der Konsument noch vor allem Genuss am Überleben interessiert ist.
  • Kein Affekt ist ansteckender als die Angst. Bei großer Ansteckung kommt es zu Panik. Im Zustand der Panik ist das Individuum nur am eigenen Überleben interessiert, agiert hyper-egoistisch, gleichzeitig ist es ferngesteuert durch die Masse, in der es sich bewegt.
  • Jegliche Utopie wirkt lächerlich, wenn es einem Individuum/einer Gesellschaft in diesem Augenblick erst mal darum geht „das Schlimmste zu verhindern“.

Abends um acht raus aus der Bibliothek und mit den ersten Schritten durch die frische kalte Luft schwappte wieder gute Laune durch mich hindurch. Peinliche Hip HopKlassiker voll aufgedreht. Kann es nur so erklären, dass alles, was ich da lese zwar gruselig ist, aber das Verstehen Löcher in den Schleier des Unheimlichen schneidet.

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