Tag 3: Roy Black und Nazi-Heftchen

Der Verkäufer auf dem Altmarkt lässt die Tüte mit den Landser-Heften unter seinem Verkaufsstand verschwinden. Ein grauhaariger Mann hatte sie vorbeigebracht. Wir hatten gerade beim Bäcker gefrühstückt und Thomas wollte noch sein Soundequipment aus der Ferienwohnung holen, als er den Stand mit den Kassetten entdeckt. Costa Cordalis, Roy Black, Die Kelly Family. „So viel Zeit haben wir doch noch, oder?“, fragt Thomas. „Ein Kumpel hat Morgen Geburtstag und das ist doch das perfekte Geschenk.“(204 Wörter)

Thomas Victor
Thomas und Roy Black

Er sucht fünf Kassetten raus und will bezahlen, als er die Hefte sieht. Die Tüte, in der sie stecken, ist halbdurchsichtig, das Cover mit dem Landser-Schriftzug und dem deutschen Panzer gut zu sehen. Der Verkäufer packt sie gerade weg. „Sind das Landser-Hefte?“, fragt Thomas. Der Verkäufer zögert kurz, dann holt er sie wieder hervor.

„Feuer auf eigenen Standpunkt“, „Gegenschlag am Donez“, „Korvettenkapitän Erich Topp“ – der Landser, das sind Heldengeschichten edler Wehrmachtssoldaten, auch die SS kam in früheren Heften gut weg. Lieblingslektüre der Neonazis. Die gleichnamige Band wurde 2003 wegen ihrer rassistischen Texte aufgelöst, ihre Mitglieder im gleichen Jahr wegen Bildung einer krimininellen Vereinigung zu Geld- und Haftstrafen verurteilt.

„Die Doppelbände kosten einen Euro, die normalen 50 Cent“, sagt der Verkäufer. Business as usual.

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